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Wirtschaft auf dem Weg zum E-DAX?

DAX-Unternehmen schöpfen ihr Potenzial für Elektromobilität noch nicht aus

DAX-Unternehmen schöpfen ihr Potenzial für Elektromobilität noch nicht aus 1680 840 Compan-e

Umfrage: Hoher Anteil an Plug-in-Hybriden in Unternehmensflotten / Reine E-Autos selten über 10 Prozent / Hälfte der Unternehmen strebt aber bereits bis 2030 Vollelektrifizierung des Bestands an

Berlin, 30. Juni 2022. Unternehmen bleiben bei der Umstellung ihrer Fahrzeugflotten auf Elektroantrieb trotz positiver Ansätze noch hinter ihren Möglichkeiten zurück. Das zeigt eine Umfrage unter den börsennotierten Unternehmen aus DAX-40 und M-DAX, die der Thinktank Agora Verkehrswende durchgeführt hat. Unternehmen haben einen großen Einfluss auf den Automarkt, weil zwei Drittel aller neuen Pkw in Deutschland gewerblich zugelassen werden. Häufig gelangen diese Fahrzeuge bereits nach kurzer Zeit in den Gebrauchtwagenmarkt und werden dort erst für private Nutzerinnen und Nutzer erschwinglich.

Die 27 DAX-Unternehmen, die sich an der Umfrage beteiligt haben, verfügen über eine Gesamtflotte von mehr als 100.000 Pkw. Der Anteil elektrischer Antriebe liegt bei über 20 Prozent und damit deutlich über dem bundesweiten Durchschnitt in Gewerbeflotten von 11 Prozent. Zwei Drittel davon sind Hybridfahrzeuge mit Ladestecker (Plug-in-Hybrid, PHEV) und nur wenige Unternehmen geben Anreize, diese Fahrzeuge elektrisch zu fahren. Das verbleibende Drittel besteht aus Fahrzeugen mit Batterieantrieb, nur in Ausnahmefällen gehören Brennstoffzellenantriebe dazu. Immerhin hat die Hälfte der befragten Unternehmen sich das quantitative Ziel gesetzt, spätestens bis im Jahr 2030 vollständig auf elektrische Antriebe umzustellen.

Entwicklung selbst in die Hand nehmen

„Der Erfolg der Elektromobilität in Deutschland wird maßgeblich mitbestimmt vom Engagement von Unternehmen“, sagt Christian Hochfeld, Direktor von Agora Verkehrswende. „Der notwendige Markthochlauf bis 2030 wird kein Selbstläufer, denn von den EU-Flottengrenzwerten sind in den kommenden Jahren keine starken Impulse mehr zu erwarten; und die Bundesregierung tut sich schwer, die fiskalischen Rahmenbedingungen konsequent auf Elektromobilität auszurichten. Unternehmen können die Entwicklung aber selbst in die Hand nehmen, indem sie nur noch batterieelektrische Fahrzeuge beschaffen, verbindliche Ziele zur Vollelektrifizierung ihrer Flotten bis spätestens 2030 festlegen und PHEV möglichst elektrisch nutzen. Wir danken den Unternehmen, die unsere Fragen beantwortet haben. Sie sind ein Vorbild für Offenheit und Transparenz, die in Zukunft selbstverständlich sein muss.“

In den einzelnen Unternehmen ist der Anteil elektrischer Antriebe sehr unterschiedlich. Die Größe der Flotte ist dabei kein entscheidender Faktor. Auch mit einer Flotte von 10.000 und mehr Fahrzeugen erreichen Unternehmen wie Daimler, SAP und BMW Werte von rund 30 Prozent. Der Anteil rein batterieelektrischer Fahrzeuge liegt allerdings selten über 10 Prozent. Nur bei den beiden Unternehmen mit den kleinsten Flotten, TeamViewer und Scout24, ist der Anteil reiner E-Autos deutlich höher.

Wenig Lademöglichkeiten am Wohnort der Beschäftigten

Zum Stromtanken haben fast alle Unternehmen an ihren Betriebsstandorten Ladepunkte installiert. Ende 2021 waren es insgesamt rund 36.700. 70 Prozent der Unternehmen haben auch Ladepunkte an den Wohnorten der Beschäftigen mindestens mitfinanziert, aber die Zahl liegt hier insgesamt nur bei knapp 2.000. Rund 95 Prozent aller Ladepunkte an den Betriebsstandorten haben eine normale Ladeleistung von weniger als 22 Kilowatt. Obwohl solche Normalladepunkte bei langen Standzeiten gut dafür genutzt werden könnten, zu besonders günstigen Zeiten zu laden oder bei Bedarf auch Strom zurück in das Netz einzuspeisen, werden diese Verfahren bisher kaum genutzt.

Hindernisse für die Umstellung auf elektrische Antriebe sehen die Unternehmen vor allem in der Ladedauer, der Reichweite und der eingeschränkten Verfügbarkeit öffentlicher Ladepunkte. Nur wenige hadern mit den Rahmenbedingungen wie der politischen Strategie oder der Unsicherheit über Kaufprämien.

Die Ergebnisse der Unternehmensbefragung „Wirtschaft auf dem Weg zum E-DAX? Stand der Flottenelektrifizierung in den DAX-40- und M-DAX-Unternehmen“ stehen hier kostenlos zum Download zur Verfügung.

compan-e: Projekt für nachhaltige Unternehmensmobilität

Die Umfrage wurde von März bis Mai 2022 im Rahmen des Projekts compan-e durchgeführt. Ziel des Projekts ist es, Wege zu einer elektrischen und nachhaltigen Unternehmensmobilität aufzuzeigen. An dem Projekt sind neben Agora Verkehrswende, Öko-Institut und Stiftung KlimaWirtschaft auch Unternehmen aus den Branchen Verkehr, Energieversorgung, Facility Management, Versicherung und Kommunikation beteiligt. Gefördert wird das Projekt vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz. www.compan-e.de

Über Agora Verkehrswende

Agora Verkehrswende ist ein Thinktank für klimaneutrale Mobilität. Im Dialog mit Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft setzt sich die gemeinnützige Organisation dafür ein, die Treibhausgasemissionen im Verkehrssektor auf null zu senken. Dafür entwickelt das Team wissenschaftlich fundierte Strategien und Lösungsvorschläge. Initiiert wurde Agora Verkehrswende Mitte 2016 mit Sitz in Berlin von der Stiftung Mercator und der European Climate Foundation. www.agora-verkehrswende.de

DAX-Unternehmen stehen vor Umbau ihrer Flotten auf Elektromobilität

DAX-Unternehmen stehen vor Umbau ihrer Flotten auf Elektromobilität 1600 900 Compan-e

Berlin, 19. November 2020. Die großen börsennotierten Unternehmen in Deutschland setzen vermehrt auf Elektrofahrzeuge in ihren Flotten. Der durchschnittliche Anteil elektrischer Pkw in den Fahrzeugflotten von DAX-Unternehmen ist mit 5,9 Prozent zwar noch klein, liegt aber über dem Bundesdurchschnitt von 3,3 Prozent in Gewerbeflotten (Stand: Juli/August 2020). Die Entwicklung verläuft uneinheitlich und beruht bislang nur in wenigen Fällen auf einer langfristigen Strategie zum Umbau der Flotten. Das geht aus einer Umfrage hervor, die der Thinktank Agora Verkehrswende im Rahmen des Mobilitätsprojekts compan-e mit 16 DAX-Unternehmen durchgeführt hat.

Agora Verkehrswende sieht die Umfrageergebnisse als Beleg für das Interesse vieler Unternehmen, Emissionen in der Mobilität zu reduzieren. Um die Entwicklung zu verstetigen, empfehlen die Herausgeber, die Vollelektrifizierung der Fahrzeugflotte bis 2030 als Ziel zu setzen und das Flottenmanagement konsequent darauf auszurichten. Dazu gehöre es zum Beispiel, Dienstwagenrichtlinien anzupassen und mehr Ladepunkte auch am Wohnort der Beschäftigten einzurichten. Auch über die Elektrifizierung hinaus könnten Unternehmen noch viel dafür tun, nachhaltige Mobilität im Betrieb und unter ihren Beschäftigten zu fördern.

Spitzenreiter mit bis zu 24 Prozent E-Pkw

Die 16 DAX-Unternehmen, die sich an der Umfrage beteiligten, haben alle bereits elektrische Pkw in ihren Flotten, insgesamt rund 12.000 Fahrzeuge. Etwas mehr als die Hälfte dieser Pkw haben einen rein batterieelektrischen Antrieb, etwas weniger als die Hälfte eine Kombination aus Batterie und Verbrennungsmotor (Plug-in-Hybrid). Brennstoffzellenfahrzeuge spielen praktisch noch keine Rolle. Der Anteil elektrischer Pkw an der Flotte ist von Unternehmen zu Unternehmen sehr unterschiedlich und reicht von 0,5 bis 24 Prozent.

Bei leichten Nutzfahrzeugen ist die Verteilung noch ungleicher. Angeschafft wurden insgesamt bereits 15.000 Fahrzeuge, also 3.000 mehr als bei den Pkw, aber diese verteilen sich auf lediglich sechs Unternehmen. Eines der Unternehmen hat seine Nutzfahrzeugflotte sogar schon zu 100 Prozent auf elektrischen Antrieb umgestellt. Die darauffolgenden Unternehmen erreichen einen Elektroanteil von 38 beziehungsweise 10 Prozent. Mit wenigen Ausnahmen haben die elektrischen Nutzfahrzeuge alle einen Batterieantrieb. Plug-in-Hybride sind in diesem Segment nicht vertreten.

Steuervorteile und Kaufprämien bieten stärksten Anreiz

Obwohl fast alle befragten Unternehmen die weitere Elektrifizierung ihrer Flotten unterstützen, etwa durch Erweiterung des Angebots, Sensibilisierung der Beschäftigten oder Aufbau von Ladeinfrastruktur, haben sich bisher nur fünf von ihnen verbindliche quantitative Ziele gesetzt. Drei Unternehmen streben an, spätestens bis 2030 ganz auf elektrische Fahrzeuge umzustellen; zwei weitere möchten einen Anteil von 20 bis 30 Prozent in den kommenden fünf bis sechs Jahren erreichen.

Als Hindernis für die Elektrifizierung ihrer Flotten nennen 13 Unternehmen die geringere Reichweite der Fahrzeuge und zehn das geringere Angebot an Fahrzeugmodellen. Etwa die Hälfte halten auch den Mangel an öffentlichen Ladestationen und Mehrkosten bei der Anschaffung für ein Problem. Die wirksamsten Anreize zum Umstieg auf Elektroautos sehen die Unternehmen in Steuervorteilen und Kaufpreisprämien. Steigende Kosten und potenzielle Nutzungsbeschränkungen für Benzin- und Dieselfahrzeuge sind in ihren Augen dagegen weniger relevant.

Beim Aufbau von Ladeinfrastruktur sind die Unternehmen vor allem auf ihrem Betriebsgelände aktiv. Alle Unternehmen haben bereits Ladepunkte an ihren Standorten installiert (insgesamt: 20.262 Ladepunkte); nur vier stellen hingegen auch Lademöglichkeiten am Wohnort der Beschäftigten bereit (621 Ladepunkte).

compan-e: Projekt für nachhaltige Unternehmensmobilität

Die Umfrage wurde im Rahmen des Projekts compan-e durchgeführt. Ziel ist es, Wege zu einer elektrischen und nachhaltigen Unternehmensmobilität aufzuzeigen. Neben Agora Verkehrswende sind auch das Forschungsinstitut Öko-Institut, die Unternehmensinitiative Stiftung 2° sowie Unternehmen aus den Branchen Verkehr, Energieversorgung, Facility Management, Versicherung und Kommunikation beteiligt. Gefördert wird das Vorhaben vom Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit.

Internationale Perspektiven der Elektromobilität in Unternehmen

Internationale Perspektiven der Elektromobilität in Unternehmen 2048 1024 Compan-e

Elektromobilität ist ein zentrales Element auf dem Weg hin zu einem klimaneutralen Verkehrssektor und spielt daher auch im Rahmen der nächsten UN-Klimaschutzkonferenz (COP26) unter britischer Schirmherrschaft eine bedeutende Rolle. Unternehmen können mit ihren großen Fuhrparks Einfluss auf den Fahrzeugmarkt nehmen und somit wichtige Impulse für die Entwicklung der Elektromobilität und die Verkehrswende geben.

Das Webinar des Projekts compan-e vom 6. Mai 2020 informiert über internationale Erfahrungen und Beispiele von Unternehmen, die auf Elektromobilität umstellen. Christian Hochfeld, Direktor der Agora Verkehrswende, führt durch die Veranstaltung. Die Präsentationen kommen von:

  • Sandra Roling und Veronika Hofmann, beide von The Climate Group: „EV100: Unternehmen als Vorreiter der Elektromobilität“ (Deutsch)
  • Tomas Björnsson, Vice President E-mobility, Vattenfall: „Fossil Free Driving Within One Generation” (Englisch)
  • Olaf Schulze, Director of Energy Management, Metro: „Mobility Concept Metro” (Deutsch)

EV100 ist eine globale Initiative der internationalen Nichtregierungsorganisation The Climate Group, in der sich zukunftsorientierte Unternehmen zusammengeschlossen haben, um den Übergang zur Elektromobilität zu beschleunigen. Rund 70 namhafte Firmen wie Deutsche Post DHL, Ingka Group (IKEA), HP Inc. und Vattenfall wollen die Umstellung bis 2030 erreichen und haben bereits über 80.000 elektrische Fahrzeuge auf die Straße gebracht. Der Fortschrittsbericht 2020 der Initiative enthält wertvolle Daten zu den Ergebnissen und Erfahrungen der beteiligten Unternehmen.

Die Britische Regierung ist seit 2019 internationaler Botschafter der EV100-Initiative. Als Vertreterin der Britischen Regierung sprach deshalb Stephanie Edwards, Head of Sector Strategy for International Climate Change, Department for Business Energy and Industrial Strategy, zu Beginn des Webinars ein Grußwort.

Neben den Referentinnen und Referenten nahmen rund 50 Personen am Webinar teil, hauptsächlich Vertreter und Vertreterinnen von Unternehmen mit größeren Fuhrparks. Das Webinar fand überwiegend auf Deutsch statt, mit einzelnen Passagen auf Englisch. Der Präsentationsblock dauert etwa 40 Minuten. Die abschließende Runde mit Fragen der Teilnehmerinnen und Teilnehmer ist nicht dokumentiert.

Auftaktworkshop: Elektromobilität in Unternehmensflotten

Auftaktworkshop: Elektromobilität in Unternehmensflotten 1309 736 Compan-e

Zum Auftakt des Projekts compan-e kamen die Projektpartner am 5. März in Berlin zusammen, um über die Perspektiven für Elektromobilität in Unternehmensflotten zu diskutieren und die ersten Schritte abzusprechen. Öko-Institut, Agora Verkehrswende und Stiftung 2° führten in das Projekt ein. Die fünf beteiligten Unternehmen – Deutsche Bahn, EnBW, Gegenbauer Facility Management, R+V Versicherung, Telekom Mobility Solutions – stellten vor, welche Rolle die Elektromobilität bereits in ihren Fuhrparks spielt und was sie sich für die kommenden Monate vorgenommen haben.

Die Beiträge machten deutlich, dass die Beteiligten ein großes Interesse an der branchenübergreifenden Zusammenarbeit haben. Der ganzheitliche Ansatz ist bei allen fest verankert. Es geht ihnen nicht nur darum, den Anteil der Elektrofahrzeuge in ihren Flotten zu erhöhen, sondern auch die dafür nötigen Ladeinfrastrukturen zu schaffen und darüber hinaus ihre Mobilitätssysteme nachhaltig auszurichten – von Alternativen zum Dienstwagen über Dienstreiseregelungen bis zur Verknüpfung von Elektroauto, Fahrrad, Bus und Bahn.

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